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Meine Uterusentfernung

WIE ICH ES GESCHAFFT HABE, EINE (TEILWEISE) UTERUSENTFERNUNG MACHEN ZU LASSEN

CN: Periode, Operationen, misgendern

Über mein Verhältnis zu meiner Periode, meinen langjährigen Wunsch nach einer Uterusentfernung und schließlich den Weg zur LASH OP. Inklusive einer kleinen Übersicht, welche Teile vom Uterus und drumherum entfernt werden können und welche Konsequenzen das Ganze hat – geschrieben aus der Perspektive einer nicht medizinisch ausgebildeten Person.

Ich und Mein Verhältnis zu meiner Periode

Ich bin AFAB (assigned female at birth) und soweit ich weiß endogeschlechtlich (das Gegenteilt von intergeschlechtlich). Das bedeutete, dass mit meiner Pubertät auch meine Periode kam. Ich war relativ früh dran und meine Periode überraschte mich, als ich bei meinem damaligen „Freund“ übernachtete, kurz vor meinem 12. Geburtstag. Und ich war NICHT vorbereitet. Das war für mich ganz furchtbar. Damals war mir zwar noch nicht klar, dass ich trans* bin, aber meine Periode war von Anfang an Horror für mich. Ich hatte von Anfang an üble Schmerzen und hab auch ziemlich stark geblutet. Mit Tampons konnte ich nicht umgehen, sodass ich lange Zeit immer Binden benutzte. Aber das war für mich auch keine sonderlich gute Lösung, denn das Blut ging oft daneben und viele Unterhosen, Hosen und Bettlaken bekamen viel Blut ab. Weil wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben, war mir das alles natürlich auch immer sehr peinlich.

Verhütung

Mit ca. 15 Jahren begann ich die Pille zu nehmen und irgendwann stieg ich auf eine Gestagen-Pille um, die ich durchnehmen konnte. Dann hatte ich erstmal Ruhe. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich begann, diese Gestagen-Pille zu nehmen. Aber irgendwann, mit 20 oder 21 kam meine Periode wieder. Nicht besonders doll, aber sie hielt jedes Mal 2 Wochen an und war dazwischen maximal 2 Wochen weg oder so. Jedenfalls hatte ich sie seeehr oft. Nicht besonders doll, aber dennoch immer wieder mit starken Schmerzen verbunden. Ich suchte nach alternativen Verhütungsmöglichkeiten, die am besten auch meine Periode wieder verbannten. Das löste ziemliche Verzweiflung aus, nichts erschien optimal.

Ich entschied mich dann für eine Hormonspirale. Das Einsetzen war absolut furchtbar. Ich hatte unglaublich starke Schmerzen und lag ewig schweißgebadet und zitternd auf der Liege bei der Gyn. Irgendwann wurde ich dort rausgeschmissen. Zuhause angekommen gab es nur eine einzige Position, in der die Schmerzen erträglich waren. In der Nacht wachte ich vor Schmerzen weinend auf. Ich konnte erst wieder einschlafen, als die Schmerztablette endlich wirkte. Die Schmerzen hielten ca. eine Woche an. Könnte mensch sich vielleicht antun, wenn die Periode dafür 5 Jahre ausbleibt. Tat sie aber nicht. Jedes Mal vertröstete mich meine Gyn, dass mein Körper einfach Zeit brauche, um sich einzupendeln. Tat er aber nicht. Jedes Mal nannte sie einen längeren Zeitrahmen, wie lang der Körper dazu brauche. Auch alle anderen Sorgen wie z.B. Schmerzen beim Sex tat sie als normal ab.

Der Weg zur LASH Uterusentfernung

Irgendwann Ende 2019/Anfang 2020 wechselte ich also endlich meine Gyn. Ich hatte sie bei einem Vortrag zu reproduktiven Rechten gesehen und fand sie direkt großartig. Ich erzählte ihr also, dass meine Periode sehr oft und langanhaltend war und mit ziemlichen Schmerzen verbunden. Sie hatte sofort total viele Ideen, was wir versuchen könnten. Also behandelte ich erstmal einen Pilz, der hätte verantwortlich sein können. Half nicht. Ich nahm Antibiotika. Half auch nicht. Sie schlug vor, ich könnte zusätzlich die Pille nehmen und wenn das helfen würde, könnte ich zusätzlich eine zweite Spirale eingesetzt bekommen. Oder eine andere, die wohl besser wirkt. Natürlich wäre das auf eigene Kosten. So ne Spirale + einsetzen kostet übrigens bis zu 400€. Das wollte ich also nicht. Insbesondere das Einnehmen der Pille wäre für mich furchtbar gewesen.

Als ich meiner Gyn sagte, dass ich am liebsten eh gar keine Periode mehr hätte und am liebsten eine Uterusentfernung durchführen lassen würde, dämmerte ihr schon, dass ich trans* bin. Testo wäre auch eine Option. Ich überlegte lange hin und her. Aber Testo war irgendwie auch keine Option für mich. Eine Uterusentfernung würde schwierig werden, meinte sie. Sie empfahl mir aber die Seite selbstbestimmtsteril (denn die Verhütung war ja auch ein Thema) und eine Person, die das mit aufgezogen hatte. Ich schrieb der Person und sie machte mich auf eine Facebookgruppe aufmerksam, meinte aber auch, dass eine Hysterektomie für mich quasi unmöglich sein würde. Ich trat der Facebookgruppe bei und erhielt dort einige wertvolle Infos. Trotzdem würde ich sie nicht unbedingt empfehlen, denn ungefähr jeder Post beginnt mit „Hey Ladies“ oder irgendwelchen Abwandlungen davon.

der Uterus und das Drumherum

Zwischendurch wollte ich dann doch nicht mehr so gern eine Uterusentfernung, weil ich gelesen hatte, dass ich dadurch sofort in die Wechseljahre kommen würde. Das stimmt so allerdings nicht. Das passiert nur, wenn die Eierstöcke mit entfernt werden. Und die gehören (genau wie die Eileiter) nicht zum Uterus. Der Uterus besteht nur dem Gebärmutterkörper und -hals (Zervix). Auf jeden Fall sollten meine Eierstöcke drin bleiben, damit die Wechseljahre bleiben wo sie sind.

Es dauerte eine ganze Weile bis ich da halbwegs durchblickte. Bis mir Jelly vor kurzem nochmal einiges erklärt hat, standen in diesem Post sogar noch viele falsche Infos. Damit du vielleicht nicht ganz so verwirrt bist wie ich es war, hier eine kleine Übersicht der Auswirkungen. Bitte behalte im Hinterkopf, dass ich keine medizinisch ausgebildete Person bin. Dieses Wissen beruht auf Internet-Recherchen von Jelly und mir, Besuche bei meiner Gyn, dem Operateur und der Anästhesistin.

  • Gebärmutterkörper: Periode verschwindet mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit. Die Entfernung nennt sich LASH. Das steht für laparoskopische suprazervikale Hysterektomie. Der Eingriff erfolgt durch sehr kleine Schnitte im Bauchraum, auch Bauchspiegelung genannt (= laparoskopisch).
  • Gebärmutterkörper und -hals: Die Periode stoppt ganz sicher, allerdings verliert der Beckenboden an Stabilität (oder so) – ist auf jeden Fall ein viel größerer Eingriff und wurde mir nicht empfohlen. Hierbei handelt es sich um eine totale Hysterektomie. Die Entfernung kann ebenfalls laparoskopisch erfolgen (diese OP heißt dann TLH). Es ist aber auch eine vaginale Entfernung möglich.
  • Eierstöcke: Da werden die Hormone produziert. Wenn die entfernt werden, kommen die Wechseljahre. Dagegen können Hormone eingenommen werden, die aber wohl auch nur bedingt helfen. Bei trans* Männern werden die wohl häufiger mit entfernt. Das bedeutet aber auch, dass weiterhin Testosteron eingenommen werden muss, damit keine dieser Symptome auftreten. Natürlich kann das auch auf nicht-binäre Personen zutreffen. Die Entfernung senkt wohl das Krebsrisiko.
  • Eileiter: Mein Arzt meinte, dass die Entfernung dazu führen könnte, dass es eher Probleme bei den Eierstöcken gibt. Allerdings können die Eileiter auch entarten. Bei jüngeren Personen werden sie wohl eher nicht entfernt, bei älteren schon.
  • Wenn alles entfernt wird, ist es eine Hysterektomie und Adnektomie.
Uterus
Illustration der Anatomie des Uterus und herum liegender Geschlechtsorgane von Süßmaus

Endometriumablation Vs. Uterusentfernung per LASH

Ein paar Gyn-Termine später war die Option einer Verödung der Uterusschleimhaut (Endometriumablation) auf dem Tisch. Und dann auf einmal doch auch die Uterusentfernung. Meine Gyn führt solche Eingriffe aber nicht selbst durch, deshalb musste ich zu ihrem Kollegen. Ich wollte es erstmal mit der Verödung versuchen, da der Eingriff viel kleiner wäre.

Also, hatte ich einen Monat später (Ende Juni 2021) einen Termin bei dem Kollegen meiner Gyn. Der war jetzt… naja.. nicht so sympathisch wie meine Gyn. Um es mal vorsichtig auszudrücken. Meine Gyn hatte ihn zwischen Tür und Angel schon mal gefragt, ob er die Endometriumablation durchführen würde. Er meinte, dass er das machen würde. Die Chance, dass die Menstruation aufhört, wäre aber nicht so hoch. Als ich bei ihm war, meinte er nun, dass er das aufgrund der geringen Erfolgswahrscheinlichkeit (ca. 40% und unklar, ob Schmerzen bleiben) ungern machen würde. Also meinte ich, dass eine LASH auch okay wäre. Das war für ihn überraschenderweise die bessere Option. Der Arzt fragte nochmal nach, wie alt ich sei und ob ich sicher keine Kinder wolle. Er erzählte mir, dass viele Ärzt*innen (er hat natürlich nicht gegendert) da ethische Bedenken hätten, er aber nicht. Er untersuchte mich und klärte mich auf.

Dieser Gyn war die erste medizinisch geschulte Person, die jemals einen Endometrioseverdacht äußerte. Darauf war ich mittlerweile auch schon gekommen. Aber es mal von einem Arzt zu hören, tat mir dann doch gut. Trotz seiner unsympathischen Art, fühlte ich mich mit meinen Schmerzen ernstgenommen. Wir einigten uns darauf, dass die Endometriose bei der OP mit entfernt werden würde, falls vorhanden. Nach viel rumtelefonieren und organisatorischem Chaos machte ich nach ca. einer Woche endlich einen Termin im Krankenhaus für meine LASH Uterusentfernung.

unsensibler Arzt

Ich will dir nicht vorenthalten, dass es extrem ungewöhnlich ist, dass eine ärztliche Person eine Uterusentfernung bei einer 24-jährigen Person durchführt. Ich hatte extrem großes Glück, an einen Arzt zu geraten, der das macht. Dafür hab ich aber auch einiges in Kauf genommen. Der Arzt ist wirklich null empathisch (ich hab quasi das ganze Gespräch und die Untersuchung über geweint und er hat darauf nicht reagiert). Es war mir extrem unangenehm von ihm untersucht zu werden, da er nicht gesagt hat, was genau er jetzt macht und warum (meine eigentliche Gyn tut das immer und das ist mir sehr wichtig, da ich die Untersuchungen eh immer unangenehm finde – auch ohne genitale Dysphorie).

unsensibles Gesundheitssystem

Und da er nicht in meine Akte geschaut hat, in der steht, dass ich mit Vor- und Nachnamen angesprochen werden möchte, hat er mich die ganze Zeit mit „Frau [Nachname]“ angesprochen. Ich hatte Angst, ihm zu sagen, dass ich so nicht angesprochen werden möchte, aus Angst, die Uterusentfernungs-OP dann vielleicht doch nicht zu bekommen. Auch die Praxis, in der er und meine Gyn arbeiten, ist extrem unsensibel für dieses Thema und ich fühle mich dort – außer im Sprechzimmer meiner Gyn – äußerst unwohl. Also: Ich kann den Arzt menschlich nicht empfehlen, aber er ist ein guter Chirurg.

Im Krankenhaus, in dem die OP durchgeführt wurde, habe ich gesagt, wie ich angesprochen werden möchte und das Pflegepersonal bekam das auch auf die Reihe. Ich hatte allerdings nichts zu Pronomen und geschlechtsspezifischen Substantiven (z.B. Patient*in) gesagt, sodass ich diesbezüglich konstant misgendert wurde, da ich auch keine Lust und Energie hatte, dort noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Das Personal am Empfang und die Personen, mit denen ich telefoniert habe, haben natürlich auch nie in meine Akte geschaut und mich daher auch konstant mit „Frau [Nachname]“ angesprochen. Das war extrem unangenehm, aber etwas, das ich bereit war in Kauf zu nehmen, um die Uterusentfernung zu bekommen (und nicht überall Aufklärungsarbeit leisten zu müssen – ich hatte einfach nicht die Energie, die ganze Zeit Leute zu korrigieren und/oder aufzuklären).

Fazit

In einem der nächsten Beiträge kannst du lesen, wie es mir nach der Operation ergangen ist.

Alles Liebe, eure Süßmaus

P.S.: Großen Dank an Jelly für die Aufklärung zu Uterus, Eierstöcken und Eileiter!

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