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Die Heilung von der LASH OP

MEINE GENESUNG NACH DER UTERUSENTFERNUNG

CN: Operation, Krankenhausaufenthalt, Gynäkologie, unangenehme medizinische Maßnahmen, Nadeln, Diskussion von Körperausscheidungen – no fucking filter

Etwa 1,5 Monate dauerte es bis es mir wieder gut ging. Bis dahin funktionierten selbst die scheinbar einfachsten Sachen oft nicht so richtig und ich hatte oft und lange Schmerzen. Jetzt, wo das alles hinter mir liegt, bin ich dennoch froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Solltest du auch über eine LASH OP nachdenken und wissen wollen, was dich so in der Heilungszeit erwartet, bist du hier genau richtig. Natürlich ist jede Heilung individuell unterschiedlich, es geht hier um meine Erfahrungen.

Ich bin 24 Jahre alt und eine der ersten Sachen, die meine 49-Jährige Zimmernachbarin im Krankenhaus zu mir sagte war, dass jüngere Leute wohl mehr von der OP mitgenommen sind als ältere. Der Eindruck bestätigte sich im Vergleich zwischen ihrer und meiner Genesung in den Krankenhaus-Tagen. Wie es ihr jetzt geht, weiß ich natürlich nicht.

Der Arzt meinte, die Heilung würde 3-4 Wochen dauern, in der Facebook Gruppe zur Uterusentfernung habe ich aber auch von viel längeren Zeiten gelesen. Die meisten in dieser Facebook-Gruppe haben allerdings auch noch ernstere medizinische Probleme, die die Entnahme des Uterus nötig machen (meistens Myome).

Am Ende des Beitrags findest du eine Zusammenfassung und Dinge, die mir bei der Heilung geholfen haben. Und falls du wissen willst, wie ich mich 24 Jahren überhaupt zu einer LASH gekommen bin, lies am besten diesen Artikel.

Ich habe übrigens große Angst vor vielen medizinischen Maßnahmen, v.a. vor Nadeln.

Tagebuch zum Heilungsprozess

Tagebuch führen über die Heilung der LASH OP
Bild: @Pexels | Ketut Subiyanto

Tag der LASH OP (Tag 1)

Ich sollte um 7 Uhr morgens im Krankenhaus sein. Im Krankenhaus bekam ich eine halbe Benzo (starkes Beruhigungsmittel) und schlief davon auch vor der Narkose schonmal ein. Das war gegeben meiner Angst und Nervosität ziemlich gut. Als es dann zur Narkose ging, besprach ich in meinem etwas weggedröhnten Zustand nochmal mit dem Arzt, ob die Eileitern jetzt rauskommen oder nicht, hörte dann diesbezüglich aber einfach auf seine Meinung. Er wird’s schon wissen. Mein Zugang musste leider 2 Mal gelegt werden, da der gelegte Zugang an der Hand irgendwie kein Blut „zog“, was für mich natürlich ein totaler Horror ist. Mir war es für meine Verhältnisse dann aber doch relativ egal. Ich war einfach seeehr müde.

Die Anästhesistin machte im OP dann erst noch einen rabiaten Kommentaren zu den ganzen Piercings, die ich nicht aus meinem Gesicht entfernt bekommen hatte, meckerte dann den Studenten an, da er irgendwo einen Kaffee hatte rumstehen lassen und pumpte erst ein Anti-Übelkeitsmittel in meinen Zugang, dann die Narkose. Als sie meinte, dass ihre Patient*innen Sauerstoff bekämen, setzte sie mir eine Sauerstoffmaske auf, was überraschend unangenehm war. Ich dachte ich könnte nicht mehr ausatmen. „Schlafen Sie gut“, sagte sie, während ich überlegte, ob es eine Sauerstoffmaske sein würde, die mich umbringen würde. Dann schlief ich ein.

Als ich wieder aufwachte, war ich eine Weile noch ziemlich müde. Gut, wenig überraschend. Zu meiner Überraschung ragte aus meinem Bauch ein Schlauch. Eine Drainage, über die das Wundwasser ablaufen konnte. Ich hätte gern vorher gewusst, dass ich damit aufwache. Aber gut, dann hab ich jetzt halt nen Schlauch in meinem Bauch. That’s totally fine (*screaming*). Falls du noch nie eine OP hattest, solltest du wissen, dass nicht alle normalen körperlichen Funktionen danach so ohne Weiteres wieder problemlos in Gang kommen. Da muss manchmal etwas nachgeholfen werden.

Ich konnte zum Beispiel nicht mehr pinkeln. Das war sehr unangenehm, denn meine Blase wurde voller und voller. Irgendwann wurde mein Blaseninhalt an dem Tag deshalb über einen Katheter abgelassen. (Achtung, es folgt eine sehr explizite Beschreibung des Ablaufs.) Dabei wird ein kleiner Schlauch in die Harnröhre eingeführt, über den der Urin dann abgelassen wird. So wirklich doll unangenehm war der Moment des Reinsteckens des Schlauchs. Während er dann drinsteckte und der Urin abfloss sowie das Rausziehen, waren deutlich erträglicher. Bei mir kamen 800ml raus und mein Urin wurde, während er in einen kleinen Plastikbeutel lief, sehr interessiert von den Pflegerinnen beäugt. Ich bekam Komplimente für die Arbeit meiner Nieren. Immerhin. Danach konnte ich für den Tag dann wieder ganz selbstbestimmt meinen Urin ablassen – mensch lernt definitiv, die kleinen Dinge zu schätzen.

Tag nach der OP (Tag 2)

Meine Drainage quälte mich langsam richtig. Bei jeder Bewegung tat es dort weh, wo sie meinen Körper verließ und irgendwie in mir drin. Sie sollte an dem Tag jedoch endlich gezogen werden. Erst hieß es vormittags, es wurde dann aber immer später und dann war es nicht mehr vormittags und ich hatte immer noch diese blöde Drainage in meinem Bauch. Joa, und weil ich eh eine schüchterne Blase hab und die Drainage den Toilettengang noch unangenehmer gestaltete, konnte ich schon wieder nicht auf Toilette gehen. Also wurde mein Urin am frühen Nachmittag, nachdem ich den ganzen Tag nicht auf Toilette konnte, wieder über einen Katheter abgelassen. Dieses Mal kamen sogar 1,5 Liter raus.

Danach ging ich dann immer auf eine Toilette am Ende des Flurs. Der erwartungsvolle Blick, mit dem mich meine Zimmernachbarin jedes Mal beäugte, wenn ich von der Toilette kam, half nämlich nicht unbedingt, den psychischen Druck auf der Toilette zu vermindern. Von da an klappte das dann aber auch alles wieder. Nachdem meine Blase das zweite Mal mit dieser unangenehmen Methode entleert wurde, bekam ich auch endlich die Drainage gezogen. Die Pflegerin meinte, dass ich es merken würde, aber dass die meisten das Prozedere nur als unangenehm, nicht als schmerzhaft bezeichnen würden. Ich war da anderer Meinung. Sie musste 2 Mal ziehen, um die ca. 10cm Schlauch aus meinem Bauchraum zu entfernen. Na danke. Trotzdem war ich mehr als glücklich, die Drainage endlich los zu sein.

An dem Tag sah ich das erste Mal den Arzt nach der OP. Auf Fotos, die während der OP von meinem Bauchraum gemacht wurden, erklärte er mir ein paar Dinge. Ich verstand gar nichts. Wie bereits erwartet, gab es einen Endometrioseherd – es war zum Glück nur ein kleiner und der Arzt meinte, es wäre unwahrscheinlich, dass sie wiederkäme. Sonst müsse ich Hormone nehmen. Darauf würde ich wirklich lieber verzichten.

Ich wollte eigentlich schon wieder rauchen, nachdem ich aus der Narkose aufgewacht war, aber ich schaffte es dann doch erst, nach dem Ziehen der Drainage rauszugehen. Das Rauchen tat mir allerdings gar nicht gut und ich machte meine Zigarette schon nach ein paar Zügen wieder aus. Meine Zimmernachbarin, die gar nicht so dringend rauchen wollte, schaffte problemlos eine ganze Zigarette.
Am Abend wurde mir dann übel. Ich hatte irgendwie Angst vor der Entlassung am nächsten Tag und war überreizt durch das laute Telefonat meiner Zimmernachbarin (ich bin extrem empfindlich was Geräusche angeht). Vielleicht hatte ich auch zu schnell zu viel zum Abendbrot gegessen. Wer weiß… Also wurde mein Zugang, der mich in der Armbeuge die ganze Zeit quälte, immerhin nochmal für ein Anti-Übelkeitsmittel und im Anschluss für Paracetamol genutzt. Es muss sich ja auch lohnen.

Tag der Entlassung (Tag 3)

Zum Frühstück waren meine Zimmernachbarin und ich ziemlich appetitlos. Sie wollte nur noch nach  Hause, ich irgendwie auch, aber ich hatte auch Angst. Bis ich dann endlich abgeholt wurde, war mir vor Nervosität immer wieder ein wenig schlecht. Am Morgen wurde endlich mein Zugang gezogen, ich konnte duschen gehen und endlich mal wieder problemlos die Zähne putzen.

Meine Zimmernachbarin verließ das Zimmer deutlich vor mir – auf hohen Schuhen, in weißer, eng anliegender Hose und mit Koffer. So sah sie aus als würde sie ein Hotel verlassen.
Der Freund, der mich abholte, kam leider durch ein Missverständnis, eine Polizeikontrolle und Stau deutlich später als geplant. Doch dann ging es um halb 11 endlich nach Hause. Für mich in Jogginghose und mit einer Pflegerin, die mein Rucksack für mich nach unten trug und dort meinem Freund übergab.
Zu Hause ging es mir ganz gut, meine Wunden waren ziemlich empfindlich und ich war mit allem noch ein wenig überfordert, aber das war auch schon alles.

Tag 4

Eigentlich sollte ich bereits am Tag davor, Zäpfchen nehmen, wenn ich bis 15 Uhr noch kein Stuhlgang gehabt hatte. Weil der Arzt aber sagte, dass es an dem Tag noch nicht erzwungen werden müsste, wartete ich noch. Aber von allein kam halt nichts. Also steckte ich mir, wie mir im Krankenhaus aufgetragen wurde, 2 (sic!) Zäpfchen in den Po und wartete. Ein bisschen was kam, aber viel war es nicht. Na gut, immerhin. Danach grummelte mein Bauch die ganze Zeit ziemlich, das war sehr unangenehm. Am frühen Nachmittag ungefähr, verging das dann aber wieder und bis auf den Wundschmerz war bis abends alles ganz gut. Abends begannen dann die inneren Schmerzen. Unter meinem Bauchnabel hatte sich ein kleiner blauer Streifen gebildet (wie ein blauer Fleck).

Tag 5

Alles was ich aß, verursachte Bauchschmerzen. Im Krankenhaus wurde mir gesagt, ich solle nichts Blähendes essen, aber irgendwie machte auch alles andere ziemliche Bauchschmerzen. Abends gab es dann sehr magenschonendes Essen. Davon ging es mir immerhin weniger schlecht als von allem anderen. Aber der Bauch spannte auch nach diesem Essen (in recht geringer Menge) unangenehm. Die Schmerzmittel*, die ich an dem Tag nahm, schienen mir nicht wirklich zu helfen. Ich glaube es war dieser Tag, an dem sich um meinen kleinen blauen Fleck bzw. im Radius von ca. 1 cm um meinen Bauchnabel herum alles gelb färbte. Ebenfalls wie ein blauer Fleck, nur halt in gelb. Nun war der kleine blaue Streifen immerhin nicht mehr so allein, sondern in einem kleinen gelben Bauchmeer.
Am Abend gab es ein Plenum, an dem ich teilnahm. Es war richtig lang und ich war stolz auf mich, dass ich bis zum Ende durchhielt.

*Schmerzmittel, die ich zu Hause genommen habe: Novalgin (5 Tabletten vom Krankenhaus mitbekommen; habe ich glaube ich auch im Krankenhaus immer bekommen, allerdings als Tropfen), Paracetamol, Ibuprofen

Tag 6

Am Vortag wurde meine Beziehungsperson geimpft und war nun auch krank. Wunderbar. Zum Glück war ich im Haushalt ziemlich selbstständig, so lang ich nichts Schwerer heben musste (das ist nämlich tabu). Da die Schmerzen, die ich das Wochenende über verspürt habe (das unangenehme und starke Spannungsgefühl bis hin zu Schmerzen nach dem Essen sowie ein starkes und sehr schmerzhaftes Ziehen in mir drin beim pinkeln), mir ungewöhnlich vorkamen und für mich nicht erwartbar waren, rief ich im Krankenhaus an. Dort wurde mir versichert, dass alle Schmerzen innerhalb der ersten 2 Wochen völlig normal wären. Es wurde mir dazu geraten, regelmäßiger Schmerzmittel einzunehmen.

Tag 7

Zum Frühstück gab’s also ne Schmerztablette. Und zum Mittagessen. Und zum Abendbrot. Immerhin wachte ich an diesem Tag das erste Mal fast ohne Schmerzen auf. Die Schmerzen kamen phasenweise. Als grad kein Schmerz da war, ging ich mit einer guten Freundin, die an dem Tag vorbeikam, sogar das erste Mal wieder raus und machte einen sehr langsamen Spaziergang. Danach war ich sehr froh, wieder drinnen zu sein.

Tag 8

Den Tag über hatte ich das Gefühl, dass die Schmerzen deutlich besser werden und ich schon wieder deutlich schneller gehen konnte. Abends aß ich Sushi (vegan) – offensichtlich ein Fehler. Die Schmerzen danach wurden immer schlimmer und ließen erst wieder etwas nach als ich meine Abend-Schmerztablette nahm. Völlig erschöpft von den Schmerzen schlief ich irgendwann ein. Für mich wohl erstmal kein Sushi mehr.

Tag 9

Um an die Einnahme meiner Schmerzmedikamente zu denken, klingeln 3 Wecker am Tag. An diesem Tag wurde ich davon das erste Mal geweckt. Der Krankenhausrhythmus hat sich trotz des kurzen Aufenthalts dort ziemlich lang bei mir gehalten. Nach dem Abend zuvor ging es mir auch an diesem Tag wieder deutlich schlechter als am Rest des Vortages. Abends hatte ich sogar 38,0°C. Nach Definition Fieber, das eigentlich nicht auftreten darf. Ich werde ein wenig panisch. Außerdem hatte das Zäpfchen an Tag 4 nicht sehr nachhaltig gewirkt, sodass ich nun 3 Tage keinen Stuhlgang hatte, was wohl auch nicht auftreten darf. Okay, cool, ich hab keine Angst. /s

Tag 10

Ich wachte mit starken stechenden Schmerzen auf. Die waren aber anders als sonst. Die kommen von meinen mangelnden Verdauungsaktivitäten, das wusste ich sofort. Der Schmerz überflutet mich förmlich, als ich probierte aufzustehen und nochmal als ich im Bad stand auf dem Weg zur Toilette. Auf der Toilette kam nichts. Ich legte mich wieder hin, nahm meine Morgen-Schmerztablette und weinte. Ich hatte Schmerzen und Angst. Und meine Beziehungsperson musste zur Arbeit. Der Schmerz kam in Wellen, kurz nachdem meine Beziehungsperson losging, wirkte die Schmerztablette und es ging mir wesentlich besser.

Bereits am vorigen Tag hatte ich wegen meines ausbleibenden Stuhlgangs im Krankenhaus angerufen. Dort wurde mir gesagt, die Gyn-Praxis sei zuständig. Weil in der Praxis nie irgendwer ans Telefon geht, hinterließ ich noch am Vortag eine Nachricht auf dem AB und eine Mail. Weil ich noch keine Antwort von der Praxis erhalten hatte, rief ich bei meiner Hausärztin an. Dort wurde mir gesagt, ich solle es weiter in der Praxis probieren. Falls es nicht klappt, könnte ich aber auch ausnahmsweise mit der Ärztin telefonieren. Mir fiel ein, dass ich noch eine andere Nummer von der Praxis habe und erreichte da nach ca. 8 Versuchen endlich jemanden. Der Arzt war aber nicht da, ich solle im Krankenhaus anrufen. Immerhin kann ich noch schnell einen Termin vereinbaren, um mich weiter krankschreiben zu lassen. Im Krankenhaus wurde mir gesagt, dass ich ein Abführmittel nehmen und verdauungsfördernd essen soll.

Eine sehr liebe Freundin, die in der Nähe wohnt, ging quasi direkt nach dem Aufstehen für mich in die Apotheke. Dort wurde von einem Abführmittel abgeraten. Ich solle doch nochmal Zäpfchen nehmen. Meine Freundin konnte die Apothekerin immerhin davon überzeugen, ihr noch Flohsamenschalen mitzugeben. Diese Widersprüchlichkeiten verunsicherten mich so, dass ich doch nochmal bei meiner Hausärztin anrufe. Bevor sie mich zurückrief, antwortete die Gyn-Praxis auf die Mail vom Vortag und sagte, ich solle mir einen Einlauf besorgen. Uff, großartig. /s

Meine Hausärztin rief mich zurück und stellte mir viele Fragen, um die Situation gut einschätzen zu können. Bei ihr fühle ich mich gut aufgehoben. Sie empfahl mir ebenfalls ein Abführmittel (Laxoberal). Ich bestellte es per Botenservice aus der Apotheke. Es kam niemand, sodass meine Beziehungsperson und ein Freund von them einen Spaziergang zur Notfallapotheke machten. Ich ging aber zur Sicherheit nochmal zum Briefkasten, um zu schauen, ob das Medikament auch wirklich nicht geliefert wurde – und das in einem halbwegs normalen Tempo. Ich war begeistert. Als ich oben wieder ankam, war ich ein wenig außer Atem, aber ich wohne auch im 3. Stock Altbau und rauche seit geraumer Zeit mehr als gut ist. Das Abführmittel sollte wohl 10-12 Stunden brauchen bis es wirkte. Kurz später musste ich aufs Klo und endlich kam etwas.

Auf dem Bild ist im Vordergrund ein Waschbecken zu sehen, dahinter eine Toilette und der Rand von einer Badewanne. Die Wand ist mit weißen Fliesen ausgestattet.
Bild: @Pexels | Arina Krasnikova

Tag 11

Das Abführmittel hatte nicht dazu geführt, dass ich an diesem Morgen nochmal auf Toilette musste. Ich hatte noch ein wenig Schmerzen, die meiner Einschätzung nach daher rührten, dass da noch nicht alle Ausscheidungen raus waren aus meinem Körper. Nachdem ich mich die letzten Tage zu schlecht gefühlt hatte, um duschen zu gehen, aber am Vortag echt schon gestunken habe, duschte ich heute endlich mal wieder. Und es war die erste Dusche, die ich so richtig genießen kann. Ich konnte meine Beine sogar wie so weit heben, dass ich meine Unterschenkel einseifen konnte. Was für ein Erfolg! Und mein Bauchnabel sah auch nicht mehr so komisch zusammengenäht aus, nur noch etwas verkrustet.
Generell habe ich meine Körperhygiene (Zähne putzen, duschen) in der Zeit nach der OP ziemlich vernachlässigt. Aber ich tat, was ich konnte. Und wenn das dann halt mal zu anstrengend war, war das okay.

Bis nachmittags machte ich dann nichts anderes, als an diesem Blog zu arbeiten. Abends waren die Schmerzen dann aber leider doch wieder stärker, trotzdem war ich mal nicht komplett erschöpft und hatte sogar ein wenig Probleme, einzuschlafen. Es war vermutlich der erste Tag, den ich bis nach Mitternacht aufblieb, nach der OP. Abends gab es nochmal Abführtropfen.

Tag 12

Ich wachte wieder mit diesen fiesen Schmerzen auf, die daher rührten, dass meine Verdauung noch immer nicht richtig funktionierte. Ich verbrachte wahrscheinlich eine viertel Stunde auf der Toilette, aber immerhin kam (unter viel Anstrengung) mal wieder etwas. Danach waren die Schmerzen deutlich erträglicher, was vermutlich auch an meinem Schmerzmittel lag, das ich noch immer 3 Mal täglich einnahm. Aber ganz weg waren sie noch nicht.

Mir hat beim Umgang mit diesen stechenden, lähmenden Schmerzen neben den Medikamenten auch die Atmung geholfen. Denn bei mir kam der Schmerz wellenartig und war meist nach einer halben bis ganzen Minute erstmal wieder okay. Daher probierte ich irgendwie durch den Schmerz zu atmen – ich weiß das klingt komisch, aber ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Und dann erinnerte ich mich daran, dass es gleich wieder (zumindest kurz) besser sein würde. Und dass die Schmerzmittel ja auch bald mal wirken müssten. Das Aufstehen zögerte ich trotzdem immer möglichst lang heraus – je mehr Zeit nach der Einnahme der Schmerztablette vergangen war, umso erträglicher das Laufen und der Schmerz (bzw. umso kürzer die Zeit, die ich die Schmerzen während des Laufens noch ertragen musste).

Nachmittags konnte ich nochmal auf Toilette – 2 Mal an einem Tag!!! Und danach putzte ich sogar ein bisschen das Bad. Das war schon anstrengend, aber machbar. Ich war begeistert von diesen Fortschritten!

Dieses Stechen auf der linken Seite blieb aber auf nach dem Klogang weiterhin bestehen. Ich ging davon aus, dass es auch von den Blähungen kam, die ich quasi seit Beginn mal mehr, mal weniger hatte. Um meine Verdauung weiter anzukurbeln, aß ich Kartoffelbrei mit Sauerkraut. Es war erst der 2. Tag Sauerkraut und ich wollte schon nicht mehr. Ich find Sauerkraut schon halbwegs okay, aber mehr als einen Tag in Folge ist echt zu viel. Aber es war noch eine Menge davon im Kühlschrank… mehh

Tag 13

Nach fast 2 Wochen wachte ich immer noch mit Schmerzen auf. Langsam wurde es anstrengend. Ich fühlte mich immer noch so wenig mobil, ich konnte kaum aufrecht gehen, was zu Rückenschmerzen führte, wenn ich dann doch mal versuchte, richtig gerade zu stehen. Der Arzttermin war in einer Woche und es graute mir schon vor dem Weg dorthin und zurück. Immerhin hatte ich zum ersten Mal ein wenig für die anstehende Klausur gelernt. Und die Kruste meines einen Einschnitts war zur Hälfte verschwunden! Zucker machte das Sauerkraut etwas erträglicher.

Tag 14

Ich wachte besonders früh auf und verbrachte in meinem noch ziemlich müden Zustand erstmal Zeit auf Social Media. In der Gruppe zur Uterusentfernung las ich, dass Bettruhe absolut falsch ist und mensch sich nach der OP auf jeden Fall so viel wie möglich bewegen sollte. Bereits am Vortag war ich etwas verunsichert, ob ich mich zu wenig bewegte, ob meine Symptome noch normal waren und vielleicht auch damit zusammenhingen, dass ich den Großteil der Zeit liegend verbrachte. Aber ich fühlte mich wirklich zu schlecht, um rauszugehen und einen Spaziergang zu machen. Ich war froh, wenn ich halbwegs schmerzfrei rumliegen und ein bisschen was am Laptop machen konnte.

Da meine Schmerzen von Blähungen und beim Wasserlassen die letzten Tage trotz Schmerzmedikamente auftraten, versuchte ich sie heute einfach mal wegzulassen und zu schauen, ob es schlimmer war oder gar keinen Unterschied machte. Und da meine Verdauung wohl immer noch nicht ohne Aufforderung arbeitete (gestern wieder kein Stuhlgang), gab es zum Frühstück statt Paracetamol DulcoSoft Pulver, das meine Beziehungsperson als Probe in der Apotheke mitbekommen hatte. Allerdings wirkt es erst innerhalb von 24-72 Stunden. Dafür darf es aber länger eingenommen werden als das Laxoberal.

In den letzten Tagen hatte ich ein wenig Ausfluss, der ungewohnt klebrig-schleimig war. Unangenehmerweise klebte er meine krausen Intimhaare nicht nur aneinander, sondern auch gleich an meiner Unterwäsche fest. Wirklich sehr unangenehm! Da war auch nichts mehr zu machen, außer die betreffende Haarstelle (mit der Nagelschere) zu entfernen. Das hieß: Zeit für eine Intimrasur – die hatte ich schon wirklich sehr lang nicht mehr, weil… naja, ich mich halt eigentlich nirgends mehr rasiere. Außer manchmal meinen Kopf. Die Rasur dauerte wirklich ewig und ich fühlte mich schlecht, weil ich deshalb ewig duschte. Aber weil ich grad eh so selten unter die Dusche hüpfte (ehm, wohl eher… vorsichtig kletterte), machte das wahrscheinlich nicht so einen großen Unterschied zum regelmäßigen, kürzeren duschen.

Während des Rasierens berührte ich manchmal versehentlich meine rechte Wundkruste. Das ist die Seite, wo meine Drainage drin war, deshalb war die Fläche dort etwas größer und rundlich. Die Berührung fand ich unangenehm, fast ein bisschen eklig, irgendwie sträubte es sich in mir. Nach der Rasur fühlte ich mich komisch. Der kleine Puffer aus Haaren zwischen meiner Vulva und Unterhose war plötzlich weg, sodass sie einander wieder berührten. Das mochte ich nicht – ich wollte meinen Puffer zurück. Aber ich wollte auch WIRKLICH keine verklebten Intimhaare.

Meine Großeltern fragen oft nach, wie es mir ging. Das war sehr lieb, jedoch kann meine Oma sich leider mit Einschätzungen und Tipps zu meinem Gesundheitszustand nicht zurückhalten. Da es mir noch nicht deutlich besser ging, riet sie mir, schon vor Montag zum Arzt zu gehen. Ich machte ihr klar, dass ihre ungefragten Tipps grad nicht willkommen sind, aber war nun doch noch stärker verunsichert als noch am Morgen. Vielleicht sollte ich doch nochmal in der Praxis anrufen… Aber die Vorstellung grad den verhältnismäßig weiten Weg zum Arzt auf mich zu nehmen, machte wirklich nichts besser!
Am Nachmittag nahm ich dann doch noch eine Schmerztablette – ich denke das war ganz gut so und eine anstatt 3 ist doch schon eine bedeutsame Reduktion!

Auf dem Bild ist ein graues Sofa zu sehen. Darauf liegt eine Person, versteckt unter einer blauen Kuscheldecke, nur die unteren Beine mit Füßen und eine Hand schauen heraus. Auf dem Sofa liegen außerdem einige Kissen. Im Hintergrund sind zwei Holztüren, eine Lampe und ein Bild an der gelben Wand zu sehen.
Bild: @Pexels | Pixabay

Tag 15

Ich wachte vom Wecker auf, der mich daran erinnern sollte, regelmäßig meine Schmerztabletten einzunehmen. Hätte ich auch mal ausstellen können, jetzt wo ich probierte, diese wieder zu reduzieren. Ich war noch ziemlich müde, aber war froh so lang geschlafen zu haben und hatte nicht allzu viele Schmerzen.

Gegen Mittag konnte ich endlich wieder aufs Klo und fühlte mich danach deutlich fitter. Was für eine Erleichterung! Ich hatte das Gefühl, dass die Schmerzen durch Blähungen und beim urinieren mittlerweile etwas weniger stark ausgeprägt waren. Die Schmerzen beim urinieren hatten sich auch verlagert. Während ich vorher starke Schmerzen in der Bauchmitte hatte und nicht auf Toilette gehen konnte, ohne mein Gesicht vor Schmerzen zu verziehen, waren die Schmerzen jetzt an den beiden Seiten lokalisiert. Es zog zwar ziemlich, war aber eindeutig auszuhalten. Und auch meine Kruste am Bauchnabel und auf der linken Seite waren nochmal deutlich kleiner geworden. Der gelbe Fleck um meinen Bauchnabel herum war kaum noch zu sehen und der lila Streifen verblasste auch immer mehr.

Ich hatte das Gefühl, ohne die Schmerztabletten, müder zu sein. Das kam mir schon etwas ungelegen, da ich ja versuchte, zu lernen. Aber nur wegen Müdigkeit sah ich es irgendwie nicht ein, Schmerztabletten zu nehmen.

Tag 16

Ich wachte das erste Mal während der Nacht auf. Eigentlich hatte ich derzeit einen ungewöhnlich tiefen Schlaf, aber diese Nacht um 3 Uhr wurde ich mal für ein paar Minuten wach. Ich konnte zum Glück schnell wieder einschlafen.

Ich fragte mich, woher die ganzen Schmerzen, die ich immer so hatte, überwiegend kamen. Lag es an den Bauchschnitten, die heilen mussten? Oder war es doch eher eine innere Wundfläche von der Entfernung des Gebärmutterkörpers, die mich quälte? Es war seltsam, nicht einfach mal eben nachschauen zu können, wie’s denn so aussieht bei meinen Wunden. Aber immerhin war ich auch nicht ständig damit beschäftigt, irgendwas einzucremen. Wobei ich damit wenigstens die Wundheilung hätte fördern könnte. So konnte ich einfach nur abwarten und hoffen, dass es schnell besser wurde.
Am frühen Abend ging ich tatsächlich das erste Mal seit langem wieder raus – sogar ganz allein. Es waren zwar nur 10 Minuten, aber in der Zeit hab ich es immerhin einmal um den (zugegebenermaßen kleinen) Block geschafft! Ich versuchte, jetzt regelmäßig zumindest kurze Spaziergänge zu machen!
Zum Abendessen gab es endlich mal wieder was anderes als Sauerkraut – oh, was für ein Glück!

Tag 17

Ich träumte davon, dass ich ohne Abführmittel auf Toilette gehen konnte. Am Morgen dachte ich noch: „War leider nur ein Traum. Also wird’s wohl mal wieder Zeit für ein bisschen DulcoSoft. Wann kann ich endlich wieder ohne den ganzen Kram auf Toilette gehen und wann funktioniert meine Verdauung wieder wie immer?“ Gegen Mittag flutschte es dann doch! Und auch mein Schlafrhythmus näherte sich wieder meinem natürlich Eulen-Modus an. Letzte Nacht war ich zum ersten Mal nach meiner Beziehungsperson eingeschlafen und heute Morgen erst kurz vor 10 davon aufgewacht, dass meine Beziehungsperson sich bereit gemacht hat, um das Haus zu verlassen.  Aber das Lernen funktionierte heute nicht so gut, ich war müde und unmotiviert und verbrachte stattdessen zu viel Zeit auf Social Media. Meinen guten Spaziergeh-Vorsatz verschob ich auf morgen.

Tag 18

Am Morgen war eigentlich alles ganz gut, ich fühlte mich fit und halbwegs motiviert, war überzeugt davon, dass ich es heute schaffen würde, rauszugehen. Doch am Nachmittag machte meine Blase mal wieder Probleme, auf einmal konnte ich sie nur noch teilweise entleeren. Das Ganze war super quälend und ich konnte mich kaum auf etwas anderes konzentrieren. Obwohl ich mich nicht nach einem Spaziergang fühlte, ging ich irgendwann raus, in der Hoffnung, dass es durch das Laufen leichter wird mit der Blasenentleerung. Das brachte leider nichts. Am Abend fuhr ich ins nächstgelegene Krankenhaus. Ein Harnverhalt lag noch nicht vor, die Blase war nur ca. halb voll war. Ich hätte trotzdem einen Katheter bekommen können, wenn ich wollte. Ich entschied mich erstmal dagegen. Die Urologin sagte, dass es durchaus psychische Gründe geben könne.

Ich fuhr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder nach Hause – der Weg klappte gut – und versuchte es zu Hause mal mit einem Radler für die Entspannung. Doch auch das half leider nicht. Irgendwann schlief ich in der Badewanne ein, wechselte dann später aber doch noch zurück aufs Sofa – was ca. 3 weitere Toilettengänge nach sich zog. Immerhin der Stuhlgang klappte wieder einwandfrei.

Tag 19

Die Blasenbeschwerden hielten an, waren mittlerweile aber ein wenig besser, sodass ich das Gefühl hatte, mehr Urin loszuwerden. Außerdem vermied ich es nun, alle 5 Minuten auf Toilette zu rennen und hielt die vollere Blase lieber länger aus. Trotzdem bereute ich etwas, mich am Vorabend gegen einen Katheter entschieden zu haben – und das will schon was heißen. Für den nachfolgenden Tag hatte ich mir einen Termin bei Urologen gemacht.

Abgesehen von meinen Blasenproblemen ging es mir aber wirklich viel besser, ich war heute mit meinem Crush etwas draußen im Park und dann zu Hause noch auf dem Sofa reden und später ein bisschen kuscheln. Das hat alles ziemlich problemlos geklappt. Trotzdem wollte ich für mindestens eine weitere Woche krankgeschrieben werden. Arbeiten stellte ich mir doch noch ziemlich anstrengend vor und ein bisschen mehr Ruhe schadet wohl nicht (Lohnarbeit hingegen schon – zumindest meinem Stresslevel). Wenn meine Blasenprobleme nachlassen würden, wollte ich endlich wieder ins Bett umziehen und nachts neben meiner Beziehungsperson schlafen.

Tag 20

Heute war mein Gyn-Termin. In der sonst oft eher schlecht organisierten Praxis war es ziemlich ruhig, ich durfte mich beim Warten hinlegen und wurde mehrfach gefragt, ob es mir gut geht und ob ich etwas bräuchte. Eine der MFAs scheint mich zu erkennen – kein Wunder, beim letzten Mal war ich vor ihr sehr aufgelöst und musste vor dem Blutabnehmen erstmal 5 Minuten heftig weinen, weil die Erfahrung mit dem Gyn für mich so unangenehm war. Ich hatte bereits bei dem Gespräch mit ihm angefangen und seitdem nicht mehr aufhören können, zu weinen. Das interessierte ihn leider herzlich wenig, doch die MFA brachte mir Mitgefühl entgegen und tröstete mich.

Heute war eine Medizinstudentin dabei – „wenigstens nicht allein mit diesem cis Mann“, dachte ich mir. Doch irgendwie machte ihre Anwesenheit es eigentlich nicht besser, an manchen Stellen sogar schlimmer. Ich berichtete dem Arzt von meinen Blasenproblemen und er ging direkt von einem Brennen aus und fing sofort an, einen Plan aufzustellen. Ich fragte ihn, ob er gar nicht wissen wolle, was genau das war und erklärte es ihm dann kurz. Er wollte mich untersuchen und ich war natürlich total verkrampft. Das bin ich generell bei Gyn-Terminen. Ich habe keine Dysphorie bezüglich meiner Genitalien, es ist einfach eine sehr vulnerable Situation, die für mich schnell sehr unangenehm ist. Ich fühle mich immer so ausgeliefert. Mit ein wenig Empathie und gutem Zureden geht es meist.

Doch das machte er halt nicht. Stattdessen erklärte er bei der Untersuchung alles der Studentin, wodurch die Untersuchung viel länger dauerte und mein riesiges Unbehagen und die Tränen in meinen Augenwinkeln mal wieder unbemerkt blieben. Mir erklärte der Arzt leider nicht viel, außer, dass die Blasenprobleme wohl noch von der Operation kamen – wodurch genau, habe ich entweder schon wieder vergessen oder gar nicht erst richtig verstanden. Auf sein Anraten hin, sagte ich meinen Termin beim Urologen erstmal ab. Die Gelegenheit weitere Fragen zu stellen, bekam ich leider nicht. Als ich mich wieder angezogen hatte, war die Tür vom Sprechzimmer schon wieder offen und der Arzt bereit, mich zu verabschieden. Ein Urintest, der anschließend noch gemacht wurde, ergab, dass immerhin keine Infektion vorlag, die die Beschwerden verursachen könnte. Immerhin eine Krankschreibung bekam ich ohne Nachfrage angeboten, sogar gleich 2-3 Wochen. Ich entschied mich erstmal für 2.

Wieder zu Hause angekommen war ich ziemlich erschöpft. Der Weg war doch ganz schön anstrengend und auch das Wetter war heute irgendwie seltsam. Ich war froh, mich nun erstmal weiter erholen zu können. Das Urinieren klappte zwar wieder besser, aber dafür waren die Schmerzen dabei wieder schlimmer geworden – es zog jetzt wieder in der Mitte und nicht an den Seiten. Dort zog es auch immer, wenn der Urin plötzlich stoppte, obwohl die Blase längst noch nicht leer war. Am Abend war mein Bauchnabel, wo einer der Einschnitte war, sogar wieder sehr empfindlich. Der Tag war wohl anstrengender als gedacht.

Tag 21

Bereits zuvor war in dem Schleim, der aus meiner Vagina kam, mal eine kleine Blutspur oder er hatte eine bräunliche Farbe, doch heute nahm das Ganze andere Formen an. Ich bemerkte es als erstes, als ich auf Toilette saß und mal wieder nichts kam. Doch plötzlich hörte ich Geräusche als würde etwas ins Wasser fallen. Der Blick ins Klo entsetzend mich ein wenig: Bluttropfen. Ich ging noch zum Briefkasten, verkaufte mir das selbst als Spaziergang und musste den ganzen Weg total dringend pinkeln, weil kurz zuvor ja mal wieder kaum etwas kommen wollte. Wieder zu Hause auf der Toilette hing ein blutiger Schleimfaden aus meiner Vagina. Yummy. /s Meine Baumwollbinden suchte ich vergeblich in den Tiefen meines Kleiderschranks. Zum Glück habe ich noch eine ganze Kiste voller Menstruationsartikel, die ich schon lange an socialperiod spenden wollte, weil ich zuletzt nur noch meine Menstruationstasse benutzt hatte.

Als ich 1,5 Stunden später wieder auf Toilette ging, war meine Binde bereits voller hellroter Flüssigkeit – ich war nicht sicher, ob es Wundflüssigkeit oder wirklich Blut war. Am Vortag meinte der Arzt beim Ultraschall schon zur Studentin, dass irgendwas noch leicht blutig ist und das nicht so schlimm wäre. Aber war das jetzt noch normal? Ich weiß, dass Wundflüssigkeit ablaufen kann, aber so spät und so viel auf einmal? Ist vielleicht irgendeine Naht aufgegangen? Uff, das war alles sehr beängstigend und störend. Es gibt ja auch die 5%, die weiterhin leichte Blutungen haben, wenn der Gebärmutterhals stehen bleibt. Und etwas zuvor hatte ich kurz leichte Unterleibsschmerzen. Ich war absolut nicht bereit, zu diesen 5% zu gehören. Dafür hab ich mir diesen ganzen „Spaß“ hier nicht angetan! Am Abend war es dann aber auch schon wieder etwas weniger – immerhin.

Auf dem Bild sind auf einem rosa Hintergrund Binden zu sehen. Eine Flügelbinde ist geöffnet und liegt in der Mitte. Herum liegen 6 weitere eingepackte Binden.
Bild: @pixabay | pikulkeaw_333

Tag 22

Nicht viel Neues. Die blutige Flüssigkeit war wieder deutlich weniger, pinkeln gehen funktionierte mal besser, mal weniger gut. Manchmal tat’s dabei noch weh, manchmal nicht. Manchmal brannte es auch noch, meistens aber nicht. Der Bauchnabel zwickte manchmal etwas. Am Abend hatte ich Gliederschmerzen.

Tag 23

Die Gliederschmerzen waren wieder weg, sonst war nicht viel anders. Heute ging ich das erste Mal wieder persönlich zur Therapie, nachdem ich die letzten Woche immer online Therapie hatte. Der Weg dauerte viel länger als normalerweise und danach war ich wirklich sehr müde. Ansonsten alles wie gehabt.

Tag 24

Auch heute nicht viel Neues, manchmal immer noch Blutungen, die wirklich sehr an leichte Menstruationsblutungen erinnerten und totale Cravings nach Süßigkeiten. Die Schmerzen beim Pinkeln waren auf jeden Fall besser geworden. Und immerhin kam ich heute gut mit dem Lernen voran.

Tag 25

Ich war heute total genervt von meinen Haaren und würde eigentlich mal gern in einen Frisiersalon, aber Sitzen war immer noch anstrengend, ich will nicht, dass Shampoo benutzt wird und außerdem nervten die Haare ja jetzt. Also schnitt ich selbst ein bisschen rum und war am Ende auch ganz zufrieden. Eigentlich dachte ich, dass das alles ganz flott geht, es hat dann aber doch ziemlich lange gedauert und am Ende merkte ich doch deutlich, dass halt nicht alles wie immer ist und ich immer noch sehr schnell erschöpft bin.

Danach ging ich raus, um mir Tabak zu kaufen und ging einen kleinen Umweg auf dem Weg zurück, um wenigstens einen Mini-Spaziergang gemacht zu haben. Auch das war – trotz der wirklich kurzen Strecke – erstaunlich anstrengend. Ich hatte echt etwas Angst davor, bald eine Klausur schreiben zu müssen und vorher sogar noch wieder arbeiten zu müssen. Ich wollte die erste Woche auf jeden Fall erstmal nur von zu Hause aus arbeiten, alles andere klang noch viel zu anstrengend, obwohl ich ja noch über eine Woche hatte bis es soweit war. Am Abend backte ich einen Kuchen für den Geburtstag meiner Beziehungsperson und fühlte mich danach trotz längerem Stehen gar nicht mal so erschöpft – immerhin ein kleiner Erfolg.

Tag 26

Heute war Putztag und ich schaffte schon mehr als beim letzten Mal. Ich putze immer das Bad, meine Beziehungsperson macht die Küche. Dieses Mal schaffte ich es sogar, den Boden noch zu wischen, nur die Badewanne war dann doch zu viel. Das Abendbrot verspeiste ich das erste Mal nach der OP wieder am Tisch statt auf dem Sofa – zur Feier des Tages hatten wir uns fancy Sushi bestellt. Nach meiner letzten Sushi-Erfahrung ganz schön mutig. Aber so schnell streiche ich Sushi nicht von meinem Speiseplan. Und dieses Mal klappte auch alles ohne dolle Bauchschmerzen, nur voll war der Bauch danach. Allerdings hatte ich danach Gliederschmerzen, mir war kalt und ich war sehr müde. Das kam mir komisch vor, ging aber auch noch am gleichen Abend wieder weg.

Tag 27

Nachdem der Schorf auf meiner rechten Seite seit ca. 2 Wochen so aussah, als würde er bald abfallen, war es nun am Abend endlich so weit: Der Schorf war ab. Nun hatte ich nur noch einen kleinen Schorfpunkt im Bauchnabel. Wenn ich über die Narben strich, spürte ich, wie tief sie waren, das fühlte sich ganz komisch an.

Tag 28

Am Vortag hatte ich in der Gyn-Praxis angerufen und gefragt, ob ich schon wieder Sex haben dürfe. Ich habe da in der Facebook-Gruppe wirklich ganz unterschiedliche Angaben gelesen und war etwas verunsichert. Aktuell war mein Bedürfnis danach zwar auch nicht sonderlich groß, aber Ende der Woche stand ein Date an und da wollte ich schon mal wissen, was von meinem Körper aus klar ging und was nicht. Was am Ende passiert oder nicht, war natürlich eine andere Sache. Am Morgen hatte ich also einen verpassten Anruf und eine SMS vom Gyn höchstpersönlich: Ich durfte wieder alles machen.

Am Nachmittag traf ich mich mit 2 Kommiliton*innen zum Lernen. Dabei war meine Körperhaltung dann doch aufrechter (mehr sitzend als liegend) als normalerweise und nach ein paar Stunden merkte ich an den Stellen der Narben immer mal wieder ein Zwicken in mir drin. Mein Rucksack, den ich zum Lernen mitgenommen hatte, war nicht grad leicht, aber ich schaffte es doch ganz gut, ihn zu tragen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nach der Lerngruppe noch mehr zu lernen, aber dazu war ich dann doch zu müde.

Tag 29

Der Vorsatz, heute mehr zu lernen, ging leider ein wenig in die Hose. Ich fing erst total spät an, weil noch einige andere Kleinigkeiten zu tun waren (und ich eine ganz tolle Masterarbeit über das nicht-binäre Dasein in Deutschland las) und war dann irgendwie niedergeschlagen und müde. Also schaltete ich Netflix ein und schlief dabei irgendwann ein. In der Heilungszeit wird ein Mittagsschlaf empfohlen, den ich nie gemacht hab, weil ich nicht schlafen konnte. Aber heute dann wohl doch. Hat ja nur nen Monat gedauert. Nach dem Nap lernte ich dann zumindest noch ein kleines Bisschen.

Tag 30

Nichts Spannendes, aber ich war das erste Mal wieder einkaufen! Ich hab nur eine Packung Kaffee geholt, aber immerhin! Ansonsten manchmal wieder Schmerzen an den seitlichen Narben (von innen kommend) sowie Schmerzen bei (leichtem) Druck auf den Bauch und Schwindel nach dem Aufstehen.

Tag 31

Bis auf den Kaffee-Einkauf alles wie am Vortag.

Tag 32

Ich hatte das erste Mal nach der OP wieder Sex und es hat gut geklappt und war sehr schön! Der Schwindel nach dem Aufstehen war auch wieder besser und der „Spaziergang“ zum nächsten Briefkasten ging deutlich schneller und leichter als beim letzten Mal.

Tag 33

Ich fühlte mich heute fitter. Ich lernte, began ein kleines Kunstprojekt, das ich seit meiner OP plante und fuhr abends zu meinem Crush. Der eigentlich recht schnelle Weg dauerte dank der öffentlichen Verkehrsmittel 1,5x so lang wie normalerweise. Ich war dadurch aber gar nicht so erschöpft wie sonst. Und obwohl ich in den Öffis und bei meinem Crush recht viel saß, zwickte der Bauch nur ab und zu ein wenig.

Tag 34

Heute war es wieder so weit: Die Arbeit rief. Ich arbeite generell jede Woche nur 10-15 Stunden, heute waren es ca. 3,5-4 Stunden. Ich saß dabei die meiste Zeit tatsächlich am Schreibtisch und es lief ganz gut! Danach war ich ziemlich erschöpft und machte erstmal 3 Stunden Pause mit Netflix und frühem Abendessen. Aber anschließend schaffte ich es sogar noch eine ganze Weile zu lernen. Fazit: läuft!

weitere Tage und Meilensteine

So, die täglichen Updates waren jetzt wahrscheinlich auch etwas umfänglicher als interessant. Daher jetzt nur noch kleine und größere Meilensteine. Oder Rückschläge, falls vorhanden – ich hoffe es nicht!

Ich wollte endlich wieder Fahrradfahren!

An Tag 36 schlief ich das erste Mal wieder im Bett.

An Tag 41 schrieb ich meine Klausur. Vor Aufregung schlief ich kaum und es ging mir wirklich schlecht, mir war total übel. Aber an der OP lag es nicht, da war alles wieder ganz gut, ich konnte während der Klausur ohne Probleme sitzen und meine Übelkeit verflog dann auch langsam.

An Tag 45 fiel auch endlich der Schorf am Bauchnabel ab und ich ging das erste Mal wieder richtig einkaufen.

An Tag 46 half ich sogar bei einem Umzug. Ich war zur emotionalen Unterstützung da und kümmerte mich vor allem um die Verpflegung. Ich trug nur ganz leichte Sachen (eigentlich wollte ich gar nichts tragen), das ging schon wieder.

Nach 2 Monaten und 5 Tagen fuhr ich das erste Mal wieder eine kurze Strecke mit dem Rad – zum Einkaufen, das ging nämlich auch wieder ganz gut. Ich hätte sicher auch schon in den 1-2 Wochen vorher mal wieder aufs Rad steigen können, war aber zu unmotiviert.

Nach knapp 3 Monaten hatte ich mal wieder PMS, allerdings viel schwächer als sonst. Alles andere war aber gut. Manchmal hatte ich für ne Sekunde noch ein Zwicken im Bereich des Bauchnabels, das war aber auch nicht dramatisch.

Ich war nun vor allem total froh, das Schlimmste hinter mir zu haben und sehr, sehr glücklich, nicht mehr zu menstruieren.

Zusammenfassung und Tipps

Die ersten 3-4 Tage hatte ich vor allem Probleme mit den äußeren Wunden, dann eher mit inneren Vorgängen, eine ganze Weile auch mit der Verarbeitung von Essen und Verdauung. Schmerztabletten nahm ich 14 Tage lang – den Großteil der Zeit 3 täglich. Die Verdauung lief ab Tag 17 wieder ziemlich problemlos. Spaziergänge gingen ab Tag 16 wieder recht gut, vorher war ich beim Laufen noch ziemlich eingeschränkt und konnte mich nur gekrümmt und langsam fortbewegen. Danach waren die schlimmsten Schmerzen auch vorbei. Ab Tag 18 hatte ich nochmal für ein 2-3 Tage Probleme mit der Blase. Und ab Tag 21 hatte ich für ca. 5 Tage immer mal wieder menstruationsähnlichen Ausfluss. Nach einem Monat hatte ich das erste Mal wieder Sex. Nach 1,5 Monaten ging es mir wieder ziemlich gut.

Was mir bei der Heilung von der LASH OP geholfen hat:

  • Schmerztabletten – v.a. Paracetamol, aber in den ersten Tagen auch Novalgin und ab und zu Ibuprofen
  • ein leichtes Kissen auf dem Bauch – vor allem die ersten Tage zu Hause, als schon einzelne Berührungen durch das T-Shirt unangenehm waren – durch das Kissen war die Berührung gleichmäßig
  • Beschäftigung – z.B. entstand die Idee für diesen Blog sowie viele Texte dafür während der Heilungszeit
  • einen kleinen Bett-Tisch – um Laptop oder Essen drauf zu stellen; sollte nicht zu schwer sein!
  • meine Beziehungsperson (!) – einkaufen, kochen, etc. hätte ich die ersten 2-2,5 Wochen mit Sicherheit nicht allein geschafft, daher ist eine Person, die sich kümmern kann, quasi unverzichtbar
  • gemütliche Kleidung
  • ein gemütlicher Platz mit allem in Griffweite, was ich so brauchte – bei mir war es das Sofa
  • selbstauflösende Fäden – Fäden ziehen wäre mein absoluter Horror!

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